26.02.2010: Twittern und Zwitschern
Seit einiger Zeit twittere ich. Ich zittere nicht, ich twittere. Twittern kommt aus dem Englischen und bedeutet „Zwitschern“. Das Ganze hat jedoch nichts mit Vögeln zu tun. Weder mit DEN Vögeln noch mit DEM Vögeln. Am ehesten ist es vielleicht ein geistiges Vögeln. Es ist ein Vögeln der ganz schnellen Art.

Beim Twittern loggst Du Dich ins Netz ein auf www.twitter.com. Du hinterlässt einen kurzen Gedanken und schon loggst Du Dich wieder aus. Rein, raus, fertig - so schnell geht ein Gezwitscher. Es ist die schnellste Kommunikationsform des Internets überhaupt. Da jede Botschaft ähnlich wie bei einer SMS nur 140 Zeichen betragen darf, ist das Zwitschern für uns schnelle Leute von heute ideal.
Du plauderst im weltweiten Netz für den Moment eines „tschilp“. Wie eine Krähe im Kirschbaum regst Du Dich kurz auf, dass es keine Kirschen mehr gibt. Oder dass Dir die anderen Krähen im Kirschbaum auf den Zeiger gehen. Oder das Kirschen das Leckerste von der Welt sind. Damit ist alles Wichtige gesagt, was es in diesem Moment gibt. Die Krähe und die Kirsche sind das Zentrum der Welt.
Trifft die Krähe später unerwartet den Raben im Kirschbaum, zwitschert sie halt noch mal. Wenn sie sich mit dem Raben um die Kirsche streiten sollte (was ich allerdings nicht glaube, weil sich der Rabe gar nicht auf sowas einlässt), kann sie auch mehrmals schnell hintereinander zwitschern. Doch seien wir ehrlich – man kann das meiste in 140 Zeichen sagen – nicht nur über Kirschen. Mehr Kommunikation ist oft ist nicht wirklich sinnvoll und notwendig. 140 Zeichen sind oft schon zu viel. Es muss auch mal Ruhe im Kirschbaum sein.
Nach jedem Twittern ist auch erst mal Ruhe. Das ist der spannendste Moment am Twittern. Es ist alles gesagt. Du hast der Welt eine Botschaft ins Netz gegeben und schweigst. Nicht ein einziges kleines Sterbenswörtchen sagst Du mehr, höchstens: tschilp!
